Epidemie Einsamkeit, die unsichtbare Krankheit unserer Zeit

Verloren schaut sie aus dem Fenster ins turbulente Treiben einer Großstadt. Seit Wochen  ist sie allein. Unglücklich ruft sie ihre Mutter an, um sich anzuvertrauen, wie es in ihr aussieht. Doch die Gelegenheit ergibt sich nicht und sie antwortet stereotyp und tauscht Nettigkeiten aus. Stumm kullern die Tränen über die Wangen…
Diese Filmszene berührte mich tief, denn sie führte mir vor Augen, was einsam fühlen bedeuten kann.

Einsamkeit – ein Phänomen unserer Zeit

Ein Tabu. Ein Makel. Niemand zeigt gerne, wenn er unglücklich ist. Oft hinter Lachen versteckend, zeigen viele ihre wahren Gefühle nicht, antworten mit Rückzug und weinen höchstens allein in ihre Kopfkissen.

Ein Megatrend

Nicht nur Psychiater rütteln auf, sondern mittlerweile wird dieses Phänomen immer lauter in den Medien.  So wird Einsamkeit als unerkannte Krankheit beschrieben, als Leiden, das gravierende Auswirkungen auf Körper und Seele hat und sich ausbreitet wie eine Epidemie.

Allein sein – einsam sein

Allein zu leben, soziale Kontakte zu pflegen, zur Ruhe zu kommen und Kraft zu tanken macht viele gelassener und glücklich.

Einsam sein, heißt vor allem sich einsam zu fühlen. Und das ist subjektiv und für jeden anders. Egal, ob zwischen Menschen oder allein mit dem Partner, es besteht keine Verbindung zu sich und im Außen. Trotz der Anwesenheit anderer tritt Leere ein, fühlt man sich nicht zugehörig und ausgegrenzt.

Was geben Freunde, Beziehungen, liebe Mitmenschen?

Allem voran sind wir soziale Wesen und keine Roboter. Daher tun uns Freundschaften oder enge Beziehungen gut, denn sie vermitteln Gefühle der Verlässlichkeit, der Sicherheit und der Geborgenheit. Wir wollen ihre Aura spüren, sie sehen, anfassen, mit ihnen lachen und uns austauschen. In solchen Momenten der Nähe fühlen wir uns wohl und aufgehoben.

Wer ist betroffen?

Einerseits ist es das Alter, das ansteigende Älterwerden, das Wegbrechen und Sterben des sozialen Umfeldes, der nahen Freunde, des Partners.

Doch andererseits sind immer mehr jüngere Menschen betroffen. 100 Freunde oder mehr in den sozialen Medien, Chat-Nachrichten oder E-Mails sind nicht zu ersetzen durch echte Freunde und Beziehungen. Das kann man sofort vergessen.

Die zunehmenden Singlehaushalte, das nicht mehr um den anderen kümmern, die abnehmende Empathie und das fehlende Mitgefühl für ältere und schwächere Menschen begünstigen zusätzlich die Vereinsamung.

Wenn Einsamkeit zum Dauergast wird

Schwierige Zeiten, Umbrüche oder Lebenskrisen sind häufig von Einsamkeitsgefühlen begleitet. Das ist ganz normal. Sie verschwinden meist wieder, wenn diese Phasen überwunden werden können. Schnell werden Handy und soziale Medien zum Ersatz, wenn man sich dauerhaft, trotz umgebender Menschen, nicht verbunden, verstanden und geborgen fühlt. Umso mehr, wenn sich einsam fühlen chronisch in den Alltag einschleicht und ein dauerhafter Begleiter wird.

Ein Teufelskreis

Energie- und Lustlosigkeit  oder Krankheit, aber auch ein gereiztes Verhalten sind typische Einsamkeits-Symptome und machen das Leben schwer. Eine Zeit lang ist ein solches Verhalten für beide hinnehmbar. Doch meist ziehen sich die Menschen zurück. Die Betroffenen, weil sie niemanden belasten und ihr Gefühl nicht zeigen möchten und die im Außen missdeuten oft das Verhalten im Sinne von Desinteresse am Kontakt.

Institutionen setzen Zeichen

Das Thema wird zunehmend akut. So hat England mittlerweile reagiert und  es wurde eine Staatssekretärin für Einsamkeit ins Leben gerufen. Sie soll für die weit verbreitete Ein-samkeit in Großbritannien Maßnahmen zur Bekämpfung entwickeln und umsetzen. Ein wunderbares Zeichen, dass auch in Deutschland wünschenswert wäre, denn auch bei uns sind Millionen davon betroffen.

Phasen der Entwicklung im Zeitraffer

Zwischen 20 und 30 sind die meisten mit dem Aufbau eines Berufes und einer Familie beschäftigt.

In den 30igern klettert man die Karriereleiter hoch und im Best Case lebt man mit seiner Familie ein angenehmes Leben.

Ab 40 werden oft die ersten Sinnfragen gestellt: War es das schon oder kommt noch was Besseres nach? Will ich so weitermachen wie bisher? Will ich so alt werden? Die richtigen Menschen um einen herum geben genau in diesem Lebensabschnitt Impulse und Halt. Zeit miteinander zu verbringen, miteinander zu lachen und sich gut zu tun wird jetzt zunehmend wichtig.

Frauen versus Männer

Für Männer ist das Gefühl der Einsamkeit meist schwieriger zu verkraften als bei Frauen. Da das soziale Netz bei Männern oftmals sehr dünn oder gar nicht vorhanden ist, gehen sie nach Ende einer Beziehung schneller eine neue Partnerschaft ein und beziehen die sozialen Kontakte und die Nähe eher über die Partnerin. Hingegen kommen Frauen mit der neuen Freiheit meist besser zurecht, haben ein größeres soziales Netz und können ihr Leben auch ohne Partner genießen.

Aufmachen und mitmachen

Wie auch immer, Einsamkeit birgt auch eine große Chance. So schmerzhaft solche Gefühle sind, umso befreiender, wenn man zulässt, sein Leben zu überdenken und sich aufmacht im Leben mitzumachen statt vom Rand aus zuzusehen.

Auf zu neuen Ufern und genießen

Mach Dich auf, auch wenn es erstmal schwer fällt.  Egal, Reisen, Natur, der Sport oder einfach im Chor mitsingen – fang einfach an. Wenn Du Dich selbst und Dein Heute genießen kannst, wirst Du automatisch genießbarer für andere.

Und das lohnt sich ganz sicher!

 

Dieser Beitrag ist bei www.jsandfriends.com veröffentlicht.